Industriekultur: Auf den Spuren von Emil von Behring

Marburg. Mittelhessen hat ein ganze Reihe an sogenannten Hidden Champions, Unternehmen, die regional oder international eine große Rolle spielen. Teils abseits gelegen, kennen viele Menschen diese Unternehmen nur vom Hörensagen oder auch nur vom Vorbeifahren. Eine Veranstaltungsreihe zur „Industriekultur Mittelhessen“ will die Menschen genau dorthin führen: Wanderungen und Werksführungen geben Einblick in das aktuelle Wirken und die historische Entwicklung von Unternehmen und Wirtschaftszweigen. „Viele historische Wurzeln sieht man nicht mehr“, erläutert der Geschichtswissenschaftler Professor Otto Volk, der die Veranstaltungsreihe des Vereins Mittelhessen mitverantwortet. Dabei gebe es viele Kontinuitäten, von damals bis heute.

Vor der Behring-Büste und dem ehemaligen Hygieneinstitut in Marburg erläutert Historikerin Julia Langenberg wie Emil von Behring sich kommunalpolitisch auch für sauberes Trinkwasser einsetzte. (Bild: m_)
Vor der Behring-Büste und dem ehemaligen Hygieneinstitut in Marburg erläutert Historikerin Julia Langenberg wie Emil von Behring sich kommunalpolitisch auch für sauberes Trinkwasser einsetzte. (Bild: m_)

Im Blick von 17 interessierten Teilnehmern lag vergangenes Wochenende das Wirken von Emil von Behring (1854 bis 1917) in Marburg. Der Mediziner und erste Nobelpreisträger für Medizin (1901) steht sinnbildlich für starke Forschungsleistung und Innovationskraft um die Jahrhundertwende, ein Pionier bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch Impfungen sowie bei der Hygiene. Der Forscher Behring verschloss sich auch nicht der unternehmerischen Verwertung seiner Kenntnisse. Er war kommunalpolitisch in Marburg aktiv, und er gründete 1904 die Behringwerke in der Lahnstadt, berichtet die Historikerin Julia Langenberg beim Stadtrundgang in Marburg.

Entlang einer „Behring-Route“ präsentiert die Stadt Marburg die verschiedenen Stationen Behrings mit Info-Tafeln. Ausgehend vom Hauptbahnhof, wo Behring 1895 von Berlin kommend, die Lahnstadt erreichte, über Institute und Stadtvilla, den heutigen Pharmastandort „Behringwerke“ bis zum Schlossberg-Laboratorium können sich wissenschaftlich interessierte Wanderer an zwölf Stationen über damals und heute informieren.

Damals und heute

Marburg ist global wichtiger Pharmastandort geblieben. 80 Prozent aller Impfstoffe nehmen ihren Ausgang von Marburg, berichtet Langenberg. Die früheren Behringwerke haben die Zeitläufte überdauert und sind nach Aufspaltungen und Übernahmen in drei Firmen noch präsent: die britisch geführte GSK (Impfstoffe), die australisch geführte CSL (Blutpräparate) und die deutsche Siemens Healthcare (Diagnostik). Über 5000 Arbeitsplätze bieten diese Firmen – und trotzdem sie im täglichen Leben durch ihre Lage in einem tief eingeschnittenen Seitental und in einem entlegenen Industriegebiet kaum sichtbar sind, bieten sie den Marburgerinnen und Marburgern Gesundheit (durch die Produkte) und Wohlstand (durch die Steuerabgaben).

Eine Begleitbroschüre zur „Behring-Route“ gibt es in der Touri-Info in der Stadthalle. Dort können auch Führungen gebucht werden. Weitere Veranstaltungen zur Industriekultur Mittelhessen verzeichnet die Webseite www.industriekultur-mittelhessen.eu. Die nächste Tour führt ins Felsenmeer bei Homberg/Ohm und in den Basaltsteinbruch bei Nieder-Ofleiden.

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Last update 04.10.2018

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