Megathema Synthetische Biologie: Drei Doktoranden suchen den Dialog mit dem Publikum im Marburger Chemikum

Marburg. Von zwei wissenschaftlich-technischen Entwicklungen erwarten Fachleute in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bahnbrechende Durchbrüche. Die werden unser Leben von Grund auf verändern. Das eine ist die Künstliche Intelligenz. Also intelligente Programme, Computer, Roboter. Das andere ist die Synthetische Biologie.

Nicholas Krink, Anne Löchner und Max Mundt (Bild: m_)
Nicholas Krink, Anne Löchner und Max Mundt (Bild: m_)

Denn genauso wie die Forscherzunft in der Chemie vor vielleicht Hundert Jahren von der Analyse der Stoffe zur Synthese und dem Aufbau von ganz neuen, in der Natur nicht bekannten Materialien fortschritt, -- vor dieser Zeitenwende steht auch die Biologie.

Daher nahm es sich ganz gut aus, dass gerade dieses Megathema in einer Experimentalveranstaltung im Marburger Chemikum in seinen Grundzügen erläutert wurde. Das glückte gut, und zwar gleich auf zweierlei Weise. Die Experimentatoren waren drei junge Doktorandinnen und Doktoranden vom Zentrum für Synthetische Mikrobiologie auf den Lahnbergen. Anne Löchner, Max Mundt und Nicholas Krink hatten die Gabe, auf unverbrauchte, einfache und verständliche Weise in die Welt der Mikroorganismen, namentlich Bakterien, Viren und Pilze einzuführen.

Ferner fand auch das Publikum Gefallen und konnte sich des gewichtigen Themas annähern: Familien, Erwachsene und Kinder lernten viel über die Einzeller, deren Formenvielfalt, wo sie vorkommen, und wie sie etwa riechen.

Staunend hinter dem Ohr gekratzt

„Einige Stunden mussten wir uns schon vorbereiten“, erklärt Anne Löchner. Am Vormittag setzte Max Mundt beispielsweise die Bakterienkulturen an, die dann in sicher verschlossener Petrischale am Vortragsnachmittag durch die Publikumsreihen gereicht wurden. Natürlich erreicht man das Publikum gut über das Staunen. So leben mehr Einzeller in und auf einem Menschen, als dieser selbst Zellen hat. „Und wenn ihr euch hinter dem Ohr kratzt?“, fragt Löchner. Auch dort leben und wohnen Zehntausende Bakterien. Alles unkritisch, alles ungefährlich, weil natürlich.

Die Synthetische Biologie will indes etwas anderes: die Bausteine der Natur, also Erbgut, Zellstrukturen, sollen neu zusammen gesetzt werden, um etwa die Produktion einer Substanz zu verbessern oder überhaupt erst zu ermöglichen. So können beispielsweise die Erbgutabschnitte, die in der Karrotte die Produktion des Vitamins Beta-Carotin ankurbeln, durch eine neue Schnitttechnik schnell und präzis in Bakterien oder Hefepilze übertragen werden. Und das lässt sich deutlich komfortabler für die Vitaminproduktion kultivieren als Karrotten auf dem Acker.

Beim Bauen mit den Bausteinen der Natur „sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt“, sagt Nicholas Krink. Vieles scheint möglich. Ihre Arbeit verstehen die Synthetischen Biologen von den Lahnbergen zumindest so: „Wie wollen Gutes mit den Bausteinen des Lebens machen“, meinen die drei Doktoranden. Um Gutes zu wollen, muss man sich auch über das Gute und Wünschenswerte verständigen und darüber reden. Das haben die drei Biologen zumindest schon mal überzeugend geschafft.

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Last update 03.08.2017

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