Erinnerung an Lasershow über Marburger Köpfen

Marburg. Das waren noch Zeiten.‭ ‬Harald Giessen steigt der Physik aufs Dach,‭ ‬installiert seine Laser und illuminiert für das Stadtfest‭ „‬3‭ ‬Tage Marburg‭“ ‬die Strecke vom Renthof zum Spiegelslustturm zu einem Bürohaus am Lahnufer und wieder zurück an den Schlossberg.‭ ‬Eine Lasershow mit grünem Dreieck,‭ ‬erinnert sich der mittlerweile‭ ‬50-jährige Starphysiker an seine Postdoc-Zeit in Marburg.

Die Stuttgarter und Marburger Netzwerker: Harald Giessen (l.) und Ulrich Höfer. (Bild: m_)

Giessen kommt immer wieder gern nach Marburg.‭ ‬Hier begann seine wissenschaftliche Karriere.‭ ‬Die Kollegen kennen ihn und er kennt sie.‭ ‬Wenn er einen seine eloquenten Vortäge im Renthof hält,‭ ‬streut er seine Ideen nur so aus,‭ ‬und man meint,‭ ‬er nimmt im Diskurs mit Nachwuchsforschern und gestandenen Kollegen auch jede Menge Ideen mit nach Stuttgart.‭ ‬Dort leitet das nach schwäbischer Art wohlwollend bis ironisch genannte Physik-Käpsele ein überaus erfolgreiches physikalisches Institut. (Ein Käpsele ist schlicht eine gescheite, intelligente Person.)

Der Ritus bei den Naturwissenschaftlern ist ja folgendermaßen,‭ ‬und zwar alles andere als das häufige‭ „‬Redner kommt,‭ ‬schwätzt und geht‭“‬.‭ ‬Nein,‭ ‬hier nimmt sich der Gast mindestens einen Tag Zeit,‭ ‬er geht durch fast jedes Labor,‭ ‬schaut,‭ ‬diskutiert,‭ ‬streut Ideen und saugt Interessantes auf.‭ ‬Daraus destillieren die Forscherinnen und Forscher noch am selben Tag,‭ ‬Wochen darauf oder gar Jahre später Forschungskonzepte,‭ ‬die sie in Anträge gießen und dann Geld daraus machen.

Gute Wissenschaft braucht Top-Leute

Der Ex-Marburger Giessen hat es weit gebracht.‭ ‬Über die Uni Bonn nach Stuttgart.‭ ‬Einmal danach gefragt,‭ ‬was er als seine Hauptaufgabe als Physikprofessor sehe,‭ ‬meinte Giessen:‭ ‬Das Heranziehen von Doktoranden.‭ ‬Gute Wissenschaft funktioniert eben nur über Top-Leute.‭ ‬Die Doktoranden schwärmen dann später als Post-Docs an andere Institute aus,‭ ‬werden Professor,‭ ‬kommen in Hightech-Unternehmen unter und verdichten so das persönliche Kooperations-‭ ‬und Wissenschaftsnetzwerk.

Heute zählt Harald Giessen sicherlich zu den besten Forschern in der physikalischen Optik.‭ ‬In jüngster Zeit hat er grundlegende Verfahren mitentwickelt,‭ ‬Minikamera-Objektive zu bauen,‭ ‬die auf die Spitze einer Glasfaser passen und etwa als Endoskop genutzt werden können.‭ ‬Neben dieser extremen Miniaturisierung ist das Spannende daran,‭ ‬dass dieses Objektiv auf das Glasfaserende‭ ‬3D-gedruckt wird.‭ ‬So könnte man dereinst minimalinvasiv schlicht ein Glasfaserendoskop an der Seite des Auges entlang zur Netzhaut führen,‭ ‬um diese zu inspizieren,‭ ‬meint Giessen.‭ ‬Diese Konzepte diskutierte er beispielsweise mit den Grundlagenforschern um den Marburger Physiker Ulrich Höfer.

Giessen kennt Marburg wie aus der Westentasche und hat in jungen Jahren keine Party ausgelassen.‭ ‬Am Hainweg oder im Landgrafenhaus ließ sich mit den Mädels noch am Besten abtanzen,‭ ‬erinnert er sich.‭ ‬Seine Lasershow dürfte der quirlige Physiker heute aus rechtlichen und Sicherheitsgründen nicht mehr über Marburger Köpfen abhalten.‭ ‬Diese Geräte bleiben im Labor.

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Last update 30.03.2017

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