Marburg. Die Lage des Herder-Instituts ist exzellent: Vom Marburger Schlossberg reicht der Blick entlang des Lahntals, an Gießen vorbei bis in die Anhöhen des Taunus. Und exzellent ist auch seine Forschung. Vom Wissenschaftsrat gelobt und europaweit bekannt, widmet sich das Forschungsinstitut der Geschichte Ostmitteleuropas – etwa vom Jahr 1000 bis heute. Die Archive bergen viele Originalquellen, Zeitungen, Zeitschriften, Bildaufnahmen, Landkarten. Bisweilen sind es die letzten Fotoaufnahmen, bevor eine ganze Stadt durch Kriegsgewalt verschwand. Und da diese Kriege mit den Weltkriegen I und II von Deutschland ausgingen, stand die Forschung am Herder-Institut auch immer im Zeichen der Völkerverständigung.

„Dieses Verständnis um die Geschichte und Kulturen der Menschen wird durch die Umbrüche in Osteuropa, von 1989 bis heute, umso wichtiger“, unterstreicht Institutsdirektor Peter Haslinger den praktischen Anwendungscharakter der Arbeit seiner rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch einen rund 5,2 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau, der diesen Dienstag offiziell bezogen wurde, wollen Haslinger und sein Team mit den stürmischen Entwicklungen Schritt halten. Der 6-stöckige Anbau beherbergt im Wesentlichen Archivräume und einen Bürotrakt. Das entspannt die Situation für die Bibliothek und die Quellensammlung, die aus allen Nähten zu platzen drohte.

„Herausragend sind hier die Sammlungen“, sagt die Slavistin Monika Wingender, Direktorin am Gießener Zentrum Östliches Europa. „Das gibt es nicht an der Universität.“ Die Forscher beider Unis in Marburg und Gießen vernetzen sich zunehmend stärker mit dem Herder-Institut, einer unabhängigen Einrichtung, das zum Institutsverbund der Leibnizgemeinschaft zählt. So arbeiten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der drei Einrichtungen in einem Sonderforschungsbereich zum Thema Sicherheit in Europa, Gewalt und Konflikte zusammen. Haslinger hat in Personalunion auch eine Professur an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. Bald soll sich das Marburger Herder-Institut auch eine räumliche Außenstelle an der JLU einrichten. Durch diese Vernetzung soll insgesamt die Strahlkraft der Osteuropaforschung in Mittelhessen gestärkt werden.

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Last update 30.10.2018

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